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Lexikon

Kaum eine Branche erfindet derart schnell immer neue Fachbegriffe. Hier ist die Gelegenheit, deren genaue Bedeutung zu erfahren. Sie können nicht nur nach etlichen Begriffen aus der gesamten Werbebranche suchen. Vielmehr können Sie Ihr Wissen weitergeben, indem Sie selbst einen Lexikoneintrag verfassen.

Peter_Sumerauer 

  • 12.04.2004 14:17

Domizlaff, Hans

Der Urfaust der Werbung

Domizlaff, Hans (Wilhelm Karl Gustav), geboren am 9. Mai 1892 in Frankfurt am Main, gestorben am 5. September 1971 in Hamburg. Wirkte als Kunstmaler, Bühnenbildner, Schriftsteller, Werbeberater und Schöpfer bekannter Markenartikel in Leipzig, Berlin und Hamburg.

Mit seinen Buchveröffentlichungen "Typische Denkfehler der Reklamekritik" (1929) und "Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens - Ein Lehrbuch der Markentechnik" (1. Auflage 1939, zuletzt 1994 veröffentlicht) wurde er zum Begründer der Markentechnik.

Hans Domizlaff macht sich in Leipzig schon während seiner Schulzeit unterstützt von Max Klinger zunächst einen Namen als Kunstmaler. Er studiert von 1912 bis 1914 Malerei, Philosophie und Mathematik in Paris.

Zurück in Leipzig beginnt Domizlaff im September 1914 zunächst eine Ausbildung zum Flugzeugführer. Ein Absturz, den er schwerverletzt übersteht, verhindert, daß er als Flieger in den Ersten Weltkrieg zieht. Er nutzt die Zeit als Rekonvaleszent zum Studium an der Universität in Leipzig. Ab März 1916 bis zum Ende des Krieges ist er Soldat in Frankreich. Er wird dort zum Luftbild-Photographen ausgebildet.

Nach dem Ersten Weltkrieg eröffnet er in Leipzig im Thomaskirchhof ein Atelier als Kunstmaler. Er entwirft u.a. Messekojen und Werbeplakate, in der Hauptsache aber Bühnenbilder am Städtischen Theater und am Leipziger Volkstheater. Als künstlerischer Berater der Druckerei und Packmittelhersteller Wezel & Naumann beginnt er sich mit dem noch jungen Gebiet der Reklame und ihren Wirkungsmitteln auseinanderzusetzen.

Im Frühjahr 1921 begegnet er den Erfurter Zigarettenfabrikanten Philipp F. und Hermann F. Reemtsma, für die er ab Mai 1921 als Schöpfer der bekannten Marken "R6", "Ernte 23", "Senoussi", "Gelbe Sorte" und als Werbeberater arbeitet. Nachdem die "Reemtsma Cigarettenfabriken" ihren Firmensitz 1922 nach Hamburg verlegen, läßt sich Hans Domizlaff ab 1923 an der Elbchaussee nieder, wo er bis zu seinem Lebensende wohnt.

Durch seine erfolgreiche Arbeit für Reemtsma wird er zum Teilhaber und gehört zum Direktorium des Unternehmens. Ab 1934 berät Domizlaff Carl Friedrich von Siemens bei der organisatorischen Umgestaltung des Konzerns auf der Grundlage der Markentechnik. Er entwickelt ein Erscheinungsbild für das gesamte Unternehmen, der als der sogenannte "Siemens-Stil" Vorbild für das Corporate Design vieler Unternehmen wird. Ab 1938 leitet er die Hauptwerbeabteilung des Siemens-Konzerns. Als Produktgestalter kreiert er Radiogeräte, Telefonapparate und Staubsauger, betreut nach dem 2. Weltkrieg verschiedene Labels der Deutschen Grammophon Gesellschaft (Polydor, Heliodor, Brunswick, Literarisches Archiv) und entwickelt 1946 zusammen mit Ernst von Siemens das Musikhistorische Institut der Deutschen Grammophon-Gesellschaft, das unter dem Label "Archiv Produktion" noch heute internationale Anerkennung findet.

1932 veröffentlicht Hans Domizlaff den Band "Propagandamittel der Staatsidee", das aus dem Gedankenaustausch mit seinem Mentor Hermann Ullstein entstanden war. Mit diesem Buch will er sich bei Heinrich Brüning als "Werbeleiter des Deutschen Reichs" empfehlen. Mit der Flucht Brünings vor seinen nationalsozialistischen Häschern und der Emigration Ullsteins 1934 endet Domizlaffs aktives Engagement für die Politik. Er zieht sich mehr und mehr auf seinen 1927 erworbenen Heidehof zurück und wird ab Mitte 1943 zum Vorsitzenden des Naturschutzparks Lüneburger Heide. Damit beendet er auch die Zusammenarbeit mit Siemens.

Unmittelbar nach Kriegsende wird er von den englischen Militärbehörden mehrfach verhört und für ein halbes Jahr interniert. Sein Besitz in Hamburg und Egestorf wird beschlagnahmt und erst 1947 wieder freigegeben. Nach und nach nimmt er die Arbeit für Siemens und Reemtsma wieder auf.

1954 richtet in Hamburg er an der Elbchaussee das "Institut für Markentechnik" ein, das bis zu seinem Tod 1971 besteht. Er veröffentlicht das "Brevier für Könige" (1950), seine Autobiographie "Nachdenkliche Wanderschaft" (1952) und gibt das Lehrbuch für Markentechnik "Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens" (1951) neu heraus.

Bis zur Mitte der 60er Jahre ist Domizlaff für Reemtsma, Siemens und die Deutsche Grammophon als Berater tätig, danach zieht er sich aus der aktiven wirtschaftlichen Beratertätigkeit zurück. Für die Deutsche Grammophon betreut er verschiedene, teilweise von ihm geschaffene Labels mit unterschiedlichen Musikprogrammen. Seine letzte große Markenschöpfung entwickelt er für die in Traben-Trarbach ansässige Winzerei Langguth Erben. Es handelt sich dabei um einen Markenwein mit dem Namen "Medinet", der in einer von Domizlaff geschaffenen Flaschenform, einer Amphore, abgefüllt wird. Er gehört heute zu den größten Weinmarken in Deutschland.

Bis zu seinem Lebensende widmet sich Domizlaff der Situation der evangelischen Kirche in Deutschland. Mit dem Hamburger Pastor Helmut Thieleke verbindet ihn das Bemühen, der zunehmenden Zahl von Kirchenaustritten entgegenzuwirken. Seine letzte Buchveröffentlichung von 1970 trägt den Titel "Religiöse Phänomene. Meditationen über unbewußte Bindungen." Er stirbt am 5. September 1971 nach wochenlanger, schwerer Krankheit in Hamburg.

Weitere Informationen zu Hans Domizlaff finden Sie unter http://www.hans-domizlaff-archiv.de

Quelle: www.hans-domizlaff-archiv.de

Suchen nach:Markentechnik, Markensoziologie,

Peter Sumerauer
Hans Domizlaff Archiv, Frankfurt am Main
60487 Frankfurt am Main

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