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  • 07.06.2000

Scheck back, Scheck weg - Chancen der privaten Filmfinanzierung

Angesichts der Börsengewinne und Fondsgelder, die der deutschen Filmwirtschaft im letzten Jahr einen gigantischen Goldrausch bescherten, muss sich auch die staatliche Filmförderung neu positionieren.

Allein in diesem Jahr, so schätzen Experten, werden private Anleger in Deutschland rund fünf Milliarden Mark in Filmfonds investieren. Im Rahmen des Filmkongresses diskutierten Finanziers, Produzenten und Journalisten darüber, wie unter diesen veränderten Rahmenbedingungen die Koexistenz von privaten und öffentlichen Geldern aussehen sollte.

"Wir benötigen ein Finanzierungssystem, das private und öffentliche Gelder sinnvoll miteinander kombiniert", erklärte Dieter Kosslick, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW. Die Filmförderungsmittel dürften nicht zu "stupid money" degradiert werden. Doch allein der Vorschlag der Filmstiftung NRW, sich durch sog. Korridor-Maßnahmen (vorrangige Rückführbarkeit von Darlehen) schneller an den Rückflüssen von "Lola rennt" zu beteiligen, habe wie Sprengstoff auf die Branche gewirkt. Dabei profitierten auch die Aktiengesellschaften von der Filmförderung. Wenn dieses System jedoch nicht funktioniere, heizte Dieter Kosslick die Diskussion an, könnten die bedingt rückzahlbaren Darlehen den Produzenten gleich in Form von Zuschüssen gezahlt werden. "Dann erhöhen wir unseren Regionaleffekt auf 200 Prozent. Wer das nicht will, kann für 50 Prozent Vorzugsaktien erwerben", so Kosslick, "und wir partizipieren an dem Aufschwung der Gesellschaften, deren Produkte wir mitfinanzieren."

Die meisten Filme, die mit Unterstützung deutscher Fonds finanziert werden, seien amerikanische Produktionen, konstatiert die Investment-Bankerin Wilhelmina Steyling. Die GmbH &Co.KG's produzierten Filme für den internationalen Markt, welche die Investoren nach dem deutschen Steuerrecht abschreiben könnten, da Film als immaterielles Wirtschaftsgut in der Bilanz nicht aktiviert werde. Der §2b des Einkommensteuergesetzes sei jedoch nicht nur ein steuerliches Instrument, erklärte Johannes Kreile, Geschäftsführender Justitiar des Bundesverbandes Deutscher Fernsehproduzenten, sondern zugleich auch Materie für die Filmpolitik. Ein Fonds könne jedoch nur amerikanische Produktionen finanzieren, wenn er zugleich auch Filmhersteller sei. "Auf diesem Wege werden amerikanische Filme zu deutschen Produktionen", so der Filmanwalt, "denn das Steuerrecht fragt nur, ob mit den Filmen Gewinn erzielt werden kann." Für Klarheit in diesen Fragen soll der Medienerlass der Bundesregierung sorgen, der zur Zeit erarbeitet wird.

Eine europäische Großproduktion wie Jean-Jacques Annauds "Enemy at the Gate", der zur Hälfte aus deutschen Fondsgeldern finanziert wird, hätte vor fünfzehn Jahren in dieser Form nicht realisiert werden können, weiß der Filmproduzent Alfred Hürmer. Die Filmförderung müsse jedoch erhalten bleiben. "Die Förderung bereitet den Humus dafür, dass solche Projekte entstehen können. Deshalb brauchen wir beide Modelle", betonte Hürmer. Um in Deutschland verwertbare Filme für den Weltmarkt zu produzieren, plädiert er für eine Public-Private-Partnership zwischen der kommerziellen Filmwirtschaft und den Förderern. "Das private Kapital darf nicht nur nach Hollywood fließen."

Lieber in ein B-Movie aus den USA als in einen preisgekrönten deutschen Film investiert Hagen Behring, verantwortlich für den Bereich Entertainment-Finanzierung bei der Kölner Stadtsparkasse. "Die Finanzierung mit internationalen Territorien ist einfacher", bekennt Behring. Denn das Ziel einer Bank sei, das sowohl das investierte Kapital als auch die Zinsen zurückflössen. Die Beteiligung an deutschen Filmen, die floppten, käme dem Sponsoring kultureller Effekte gleich. Die Film- und Medienindustrie sei eine Wachstumsbranche, argumentiert dagegen der Wirtschaftsjournalist Ulf Brychcy: "Ohne Förderung würde es den Kinofilm-Standort NRW nicht geben." Allerdings müsse die Branche nach einer gewissen Zeit in den freien Markt entlassen werden. Mitttlerweile sei die wirtschaftliche Förderung uberflüssig geworden. "Die Förderung kann sich jetzt auf Bereiche wie Ausbildung und Drehbuchentwicklung zurückziehen."

Es sei leicht, einfach die Abschaffung staatlicher Subventionen zu fordern, warnte Johannes Kreile. Doch auch andere Branchen wie die Flugzeug-Industrie seien auf staatliche Unterstützung angewiesen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Selbst Hollywod habe sich aufgrund der steigenden Produktionskosten in den achtziger Jahren zu einem Subventionsfall entwickelt und Kapital aus Europa benötigt. "Wir brauchen die Subventionspolitik, damit der interkontinentale Wettlauf erhalten bleibt."

"Wir sind alle Kinder der Förderung", resümmierte Bernie Stampfer, der im Branchenteam Film und Fernsehen bei der Deutschen Bank nicht nur Börsengänge von Unternehmen betreut, sondern auch einen eigenen Filmfonds plant. Eine Bank verfolge jedoch kommerzielle Zielsetzungen und könne deshalb nicht die Aufgaben einer Förderung übernehmen. Die Strukturen sollten allerdings nicht nur über einzelne Projekte geschaffen werden. Für vorbildlich hält er zum Beispiel, Firmenstrukturen wie in Großbritannien aufzubauen, wo junge Unternehmen Gelder erhalten, um einen Head of Development zu engagieren und Rechte auf dem Buchmarkt zu erwerben. Es gibt viele Mittel", sagte Bernie Stampfer, "um stimulierend auf den Produktionsmarkt einzuwirken."

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